29.04.2010 | Stadt- und Verkehrsplanung in Berlin: Viel Anfang, aber kein Ende?

BERLIN MAXIMAL im Gespräch mit Ingeborg Junge - Reyer, Stadtentwicklungssenatorin Berlin

Herrin der Straßen

Beim B-max-Clubabend unterstrich Senatorin Ingeborg Junge-Reyer die Vorzüge der A 100

Diese Frau weiß, was sie will, und sie ist überzeugt, dass sie es auch bekommt: Zu Gast beim vergangenen B-max- Clubabend war eine vor Optimismus strotzende Ingeborg Junge- Reyer, ihres Zeichens Senatorin für Stadtentwicklung im rot-roten Senat. „Der Weiterbau der A 100 ist ohne wirksame Alternative“, gab sich die SPD-Politikerin überzeugt.

Dabei ist das Projekt erneut zum Zankapfel der Berliner Politik geworden. Kurz zuvor hatte der Koalitionspartner Die Linke auf einem Parteitag beschlossen, über einen Stopp der Planung zum Autobahnbau zu verhandeln. Junge-Reyer wiederum machte beim Clubabend Ende April vor rund 100 Gästen am Askanischen Platz deutlich, für wie wichtig sie den Ausbau der Autobahn für die Stadt hält.

„Die neue Strecke erlaubt es, den wirtschaftlichen Verkehr besser zu organisieren“, sagte sie im Gespräch mit B-max-Chefredakteur Gerd Appenzeller und den Redakteuren Sarah Kramer und Klaus Kurpjuweit. Mit der Eröffnung des Großflughafens Berlin-Brandenburg International im kommenden Jahr werde es notwendig, Güter von Schönefeld schneller in die Stadt zu transportieren. Darüber hinaus würden zahlreiche Stadtstraßen im Südosten Berlins durch die Bündelung des Verkehrs auf der Autobahn entlastet.

„Ich weiß, dass ich eine Zumutung für manche bin, aber im Vordergrund meiner Hartnäckigkeit steht, dass es mir um mehr Lebensqualität für die Stadt geht“, sagte Junge Reyer. Sie werde weiter mit den nötigen Argumenten für das Projekt werben. „Ich bin davon überzeugt, dass ich Erfolg haben werde“, fügte sie hinzu. Die Nachnutzung des Flughafens Tegel, der am 31. Oktober 2011 geschlossen wird, bezeichnete die Senatorin als „große Chance“ für Berlin. Zwar stünden internationale Firmen bislang noch nicht Schlange, um das Gelände nutzen zu können. Doch das Areal berge durch seine Größe und die Lage in der Nähe von Wasser und Wald viel Potenzial für Industriefirmen aus dem Green-Tech- Bereich.

Der Streit mit dem Bund über die Stationierung von Hubschraubern der Flugbereitschaft sei zuungunsten des Landes Berlin ausgegangen. „Der Bund kann sich den Weiterbetrieb über die Schließung des Flughafens hinaus selbst genehmigen. Das ist bedauerlich“, sagte Junge-Reyer.

Ulrike Thiele